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Mittwoch, 28. Juni 2017


Marie: Sonntag - 15. Juli - ca. 23:30 Uhr

...wobei das wie gewohnt nur eine Schätzung ist- die Uhr...

Heute sind wir in Odda...?
Immer wenn Tim- ich nenne ihn jetzt nur noch Mann mit Bart- eine Zeit angibt, wann wir diesen wahrscheinlich verhexten Ort erreichen werden, sind wir dann mit absoluter Sicherheit nicht dort- so auch heute.
Vielleicht lag es daran, dass wir bis 11:00 Uhr geschlafen haben und völlig elanlos stundenlang unsere Sachen packten und spülten und es ewig dauerte, bis wir losgewandert waren. Ein Norweger gestern abend hatte uns freudestrahlend mitgeteilt, der Weg nach Tyssedal (über Skjeggeddal) sei sehr kurz (5 Stunden) und leicht zu laufen, da flach. Von Tyssedal aus sollte man den Bus nach Odda nehmen, das seien zwar nur noch wenige Kilometer, aber an einer stark befahrenen Straße, wo keiner entlangwandere.
Nunja, über die Definition von "flach" lässt sich streiten, lernten wir heute. Der Weg führte nicht weniger bergauf und -ab als gestern und auch die Landschaft war ähnlich. Steine und Schneefelder. Tim fand, man sollte die Straßenkehrermannschaft in dieser Gegend entlassen- wobei ich mich frage ob es überhaupt eine geben kann, denn wo keine Straße...

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Die Norweger haben im Sommer mehr Schnee als wir im ganzen Winter zusammen. Wir haben heute massig viele Schneefelder überquert, eins führte so steil nach unten, dass man es nur herunterschlittern konnte. Wir liefen durch Geröll, soweit man blicken konnte nur Steine. Geologen würden sich dort im Paradies fühlen, es gab wirklich alle Sorten von Steinen: große Brocken, über die man lief wie auf Wellenbrechern am Meer, Kies, schieferartig geschichtete Platten, flache Bretter mit Rissen durchzogen, Granit, weiße, gefleckte, getigerte, homogen braune, völlig schwarze Steine. Einmal fanden wir eine Säule, die auf dem Boden lag und absolut die Struktur eines versteinerten Baumes hatte. Man konnte sogar die Rinde erkennen, dachten wir. Es stellte sich jedoch nach längerem Betrachten heraus, dass es doch kein Baum war- wo sollte der auch herkommen.

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Nebel und Regen zogen auf, verdeckten die umliegenden Berggipfel und machten es zunehmend unangenehmer zu laufen. Nach einiger Zeit jedoch wurde schemenhaft Neues sichtbar: eine tiefe Schlucht- noch eine- senkrechte Felswände, die herabfielen: wir näherten uns den Fjorden.
An einigen Stellen brach die Wolkendecke auf und ließ die Sonne durch- leider nicht über uns. Wir liefen bergab, immer weiter und lehrbuchhaft wechselte die Vegetation. Es wurde wieder grüner. Unter uns konnten wir erste Häuschen erkennen, das war Skjeggeddal.
Dort wollten wir essen, beschlossen wir, wussten aber nicht, dass es im gesamten Ort keine geeignete Kochstelle geben würde. Gut, also weiter.
Die ewig lange Seilbahn nach unten würden wir nicht benutzen- 25 DM pro Person, viel zu teuer. Ausserdem gab es einen Fußweg, "quite easy" wie man uns sagte. Glaube nie einem Norweger!! Der Weg war steil, naß und steinig und andauernd rutschte man aus. Das ständige Bergablaufen ging ganz schön in die Knie. Alles tat weh und wir hatten Hunger!!
Also beschlossen wir auf halbem Weg nun die Stufen neben den Schienen zu verwenden, ebenso rutschig, aber schneller. Unten stellten wir erschrocken fest, dass es schon 20:30 Uhr war. Schnell bereiteten wir unser Abendessen: Kjøttkaker mit Nudel- es roch und schmeckte ähnlich wie Hundefutter.
Nach Tyssedal weiter ging eine wenig befahrene, geteerte Straße. Sie führte immer noch bergab (wir haben wohl einen Höhenunterschied von 900 Metern überwunden) und links neben uns war ein Bach klarsten Wassers, der durch eine tiefe Schlucht floß und in den Fjord mündete.
Rechts von uns ging es steil bergauf und es wuchsen wunderschöne, fremde Blumen. Trotz traumhafter Umgebung zog sich die Straße und am Ortseingang von Tyssedal bauten wir- völlig fertig- unser Zelt am Rande eines Sportplatzes auf.
Es war ein schöner Tag, aber sehr anstrengend. Diesmal ist es Tim, der schon schläft und das werde ich jetzt auch tun und morgen werden wir es etwas ruhiger angehen lassen, denke ich mal.

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