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Sonntag, 20. August 2017


Tim: Samstag - 14. Juli - ca. 18:30 Uhr

...was sich leider immer noch nur schätzen lässt, da meine Uhr jetzt völlig hinüber ist.

Marie und Tim sind müde.

Hinter uns liegt eine Strecke von ca. 20 km, die zu überwinden uns um die 7,5 Stunden und große körperliche und geistige Anstrengung gekostet hat.
Marie hatte zu unser beider Leidwesen gestern abend nicht recht, als sie meinte wir wären ganz oben. Nun ja, wir wurden eines Besseren belehrt, schon kurz nachdem wir Torehytten mit Tagesziel Tyssevassbu verlassen hatten.
Am Abend hat uns ein sehr netter Norweger bei der Routenplanung für die kommende Woche beraten. Wir haben uns jetzt also vorgenommen von Odda (wo wir morgen sein werden) nach Utne zu gehen um von dort aus mit der Fähre überzusetzen und es bis Freitag nach Bergen zu schaffen. Uns bleiben schließlich noch 6 Skan-Rail-Tage, die wir, sollten wir per pedes zu langsam sein, nutzen können.
Nun aber zur heutigen Tour, die sich als Schneetour entpuppte, wo wir doch dachten es würde bergab gehen und grüner werden.

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Unsere Hütte verließen wir nordöstlicher Richtung um zwischen Harteigen und Bergsee langsam aufzusteigen. Im Großen und Ganzen machten wir heute einen riesigen Rechtsbogen. Den Harteigen (1700m ü.NN), der die Vidda um ca. 500-600 Meter überragt, links hinter uns lassend ging es weiter nach oben. Noch waren hinter uns Torehytten und der See zu sehen. Doch schon kurze Zeit später standen wir kurz vor der ersten kniffligen Aufgabe:

Laufen Sie in eine Schlucht, deren Ende nur durch Überqueren eines fast senkrecht nach oben führenden Schneefeldes zu überwinden ist. Tragen Sie dabei Ihren Rucksack, brechen Sie nicht ein, und stolpern Sie nicht, sonst tut's mächtig weh.

Es gab tatsächlich keine andere Möglichkeit, als da hoch zu gehen, in Gänsemarsch und Schneckentempo. Wir banden uns also mit meinem Seil an den Hüften zusammen- zwischen uns waren wohl noch so 2 Meter Platz- und stiegen langsam auf.
Oben angekommen waren wir uns einig, dass es wohl diese Risiken waren, die wir nicht eingehen sollten, wenn wir uns an den Rat unserer Mütter halten wollten. Tut mir leid, es war nicht anders zu machen, außerdem leben wir noch.
Nun insgesamt auf höherem Terrain laufend, wurde der Bewuchs wieder karger. Nur Moose und ein paar Gräser waren noch zwischen den Steinen zu sehen. Unsere erste Bachquerung führte durch ein breites Stück Fluß, welches 2 Seen miteinander verband. Tiefe und Strömung waren so, dass wir gerade noch waten konnten. Für Marie war es diesmal auch nicht so schlimm, wählte sie doch den seichteren Weg.
Um sie später wieder trocken anzuziehen, hatte ich meine Jeans ausgezogen und um den Nacken gelegt. Meine in eine Hosentasche gestopfte Unterhose fiel mir dann aber dummerweise, mitten im Fluß stehend, ins Wasser und ich musste ihr stromabwärts hinterher rennen um sie einzufangen.
Weiter ging es über unzählige Bergkuppen und Schneefelder, die wieder steiler zu werden schienen. Jedoch war der Schnee immer so, dass man 10 cm einsank, was ein Abrutschen- wie auf Eis- weitgehend ausschließt.

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Bei der zweiten Bachquerung war die Strömung zwar stärker, dafür war dann aber der Bachlauf schmäler, und das Flußbett weniger tief. Hose hochkrempeln genügte also. Drüben angekommen waren unsere Beine wie gewohnt taub vor Kälte.
Der Rest des Weges war so unterschiedlicher Gestalt, und doch so gleichförmig. Es ging über weitere 10 000 Bergkuppen und 1 Mio. weitere Schneefelder. Jeder von uns verwendete heute wenig Energie zum Sprechen, unsere Beine brauchten sie doch um so dringender. Bis auf wenige Vögel gibt es heute nichts über Tiersichtungen zu berichten.

Schließlich und endlich tauchten im kalten Regen und Wind vor uns 2 kleine braune Holzhütten auf. Tyssevassbu heißen sie, und stehen verlassen auf einer Anhöhe, gerahmt von etlichen Eisseen.
In der einen Hütte schlafen heute so um die 6 Männer- alle Norweger- von denen einer unsere bisherige Tour in umgekehrter Reihenfolge läuft. In der anderen Hütte sind nur wir, und hoffen das bleibt auch so, bis wir morgen zum Wochenziel Odda aufbrechen.
Zu essen gab es heute Mittag 5 Scheiben Brot mit Margarine und Wurststücken. Gerade eben haben wir uns die in Maurset gekaufte Pasta zubereitet.
Erst wollte der gußeiserne Ofen nicht funktionieren, jetzt überheizt er völlig die Hütte. Ich halte das allerdings für einen schönen Ausgleich zum eisigen Wind, der uns heute den ganzen Tag aus allen Richtungen entgegen geblasen kam.

(Nachtrag: Tipp: Jujakapuze vor dem Hals mit einer Sicherheitsnadel zusammenraffen spart den eigentlich sinnvollen Schal)

Marie ist zwar schon eingeschlafen, will aber noch Haare waschen, und ich freue mich schon jetzt auf das weiche Bett. Ungleich mehr allerdings freue ich mich auf die nächste Woche mit Marie in Norwegen auf unserer 2. Etappe von Odda nach Bergen.

Man darf gespannt sein, auf das, was da noch kommen mag.

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