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Sonntag, 20. August 2017


Tim: Donnerstag - 12. Juli - 18:10 Uhr

...und ich habe mein Versprechen gehalten! Aber dazu später.

Eigentlich hatte ich ja vorgeschlagen heute um 8:00 Uhr aufzustehen, es war allerdings schon kurz vor 9:00 Uhr als ich das erste Mal aufwachte. Wegen des Regens bin ich noch mal eingeschlafen, da er mir das Aufstehen nicht gerade schmackhaft machte. Um kurz vor 11:00 Uhr liefen wir letztlich los, nicht ohne den beiden Tschechen, die sich noch abends neben uns aufgebaut hatten, sauberes Wasser anzubieten. (= mit Micropur behandelt)
Sie wollten es nicht, meinten sie doch zu recht hier in der Vidda sei alles Bachwasser Trinkwasser.
Zunächst führte uns der Weg ca. 200-300 Höhenmeter nach oben. Auf dieser Höhe ging es einige Zeit an der linken Flanke eines flachen Berges weiter, durch kniehohes Gestrüpp, über Moose und Flechten, vorbei an diversen Blumenarten, die uns zumeist fremd waren.

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An der ersten Weggabelung hielten wir uns links, wollten wir doch unser Tagesziel Hedlo erreichen und nicht erst den Umweg über Viveli machen.
Auf und ab ging es weiter, vorbei an einem Bach zur Linken, einer kleinen Holzhüttenansammlung, über Stock und Stein.

-Kurz zum Wetter/ Klima:
Das verhält sich hier so- Während ich mir die Beine und meine verbrannten Kniekehlen mit Sonnencreme einreibe, spannt Marie bereits die Regenhülle über ihren Rucksack und nur wenige Minuten später laufen wir beide durch prasselnden Hagel. Zu Hause würde mich das wahnsinnig machen, hier genieße ich allerdings das wechselhafte Hardangervidda - Wetter in allen Fassetten. ½ Stunde vor Fljotdalssette trafen wir auf 2 Frauen , die sich mit leichtem Gepäck den Berg hoch kämpften. Nach ihrer Auskunft sollte es bis Hedlo noch 2 Stunden sein. Als wir nun den Abstieg nach Fljotdalssette antraten, es hatte aufgehört zu regnen, und ich Marie irgendwas zurufe, springt im Tal unter uns ein riesiges braunes Tier auf und rennt mit weit ausholenden Schritten davon.

Marie und Tim sehen zum ersten Mal im Leben einen Elch in freier Wildbahn und werden diesen Moment nie wieder vergessen.

(Nachtrag: Es war dies mein Versprechen: Entweder wir sehen einen Elch auf freiem Fuße, oder wir gehen nach Oslo in den Zoo, um dort einen zu sehen, aber auf keinen Fall verlassen wir Norwegen ohne einen echten lebendigen Elch gesehen zu haben!

Freudestrahlend liefen wir beide weiter, runter nach Fljotdingsbums. Ortsnamen! Die kann sich doch keiner merken! Diese Aneinanderreihungen von Buchstaben, die völlig sinnlos und unmelodisch klingen! Ich mag sie, auch wenn ich mir jedes Mal die Zunge breche.
An einer der Hütten, so hofften wir, würde jemand öffnen und uns Benzin für den Kocher geben können, dessen Tank kurz vor Ebbe steht. Leider war dem nicht so, also weiter. Vor uns lag das steilste Stück des Tages, was leider aus der Karte nicht hervorging. Überhaupt geht aus der Karte, wie ich meine, recht wenig hervor. So trauen wir also mittlerweile mehr den T´s als den verzeichneten Wegen.
2 oder 3 mal trafen wir auf Wanderer, einmal waren es Vater, Mutter, Kind, ein anderes Mal eine Gruppe Gleichaltriger. Mehrfach wechselten sich Sonne und Regen ab, während Marie und ich ins nächste - vorletzte - Tal abstiegen. An einem breiten mäandrierenden Bach standen 3 Hütten, rechts von ihnen eine Brücke. Der Abstieg zur Brücke hin forderte unseren Gelenken einiges ab, war er doch steil und felsig. Ausserdem schrammten wir auch hier, wie schon den ganzen Tag zuvor, durch hüfthohes Gestrüpp.
Erst auf der Brücke fiel uns der schöne breite Wasserfall auf, der für das Tal und den Bach verantwortlich war. Über die letzte Bergkuppe kamen wir schnell hinweg, schließlich stand Hedlo- eine Full-Service Hütte- in Aussicht.
Hedlo ist ein zweistöckiges Haus in dem jeder Schritt eine Krone kostet. Wir haben bisher bezahlt: 50 NOK pro Person für die Zeltaufstellgenehmigung. 200 NOK pro Person für ein 3-Gänge-Abendessen. 30 NOK für uns beide zum Duschen.

(Nachtrag: 4 NOK=1 DM=0,5€)

Es gibt hier einen beheizten Raum zum Kleidertrocknen in dem wir jetzt unsere gesamte Sockenreserve trocknen.
Ich habe weniger uns über- als vielmehr die Landschaft unterschätzt. Wir sind ein super Team, kommen im gleichen Tempo gut voran, ohne daß einer hinterher hängt. Allerdings hat man hier oben nicht nur mit Mücken, Moor und Steinen viel zu tun. Es kommen zu den reinen Strecken- auch die Höhenmeter, die ganz schönen Einsatz fordern. So muss ich meine Berechnung im Bezug auf die Ankunft in Odda korrigieren. Wir werden in Odda sein, wann spielt keine Rolle mehr, die Landschaft ist einfach zu traumhaft um zu hetzen.
Heute hat sich uns beiden zum ersten Mal der Text von "Nordwärts" völlig erschlossen und er steht auch deshalb jetzt im Hüttenbuch in dieser warmen Insel, irgendwo in der Hardangervidda.

Nordwärts - Das Lied

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