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Samstag, 24. Juni 2017


Marie: Montag - 9. Juli - 21:00 Uhr

...wenn die Uhr noch stimmt, denn sie ist voll mit Wasser...

Es war wirklich gut, dass wir letzte Nacht noch den Zeltplatz gewechselt haben, es hat nämlich auch an dem "windstillen" Platz nicht wenig geweht und geregnet. Aber das Igluzelt von Aldi war trotzdem dicht und hielt. Naja, Nacht ist eigentlich gelogen, es wurde und wurde nicht dunkel!! Um 10 vor 11:00 Uhr war es immer noch hell, von Dämmerung keine Spur, da beschlossen wir heute später aufzustehen als geplant (erst um halb 10:00 Uhr), weil wir wirklich sehr müde waren und man ja ewig lange laufen kann, ohne von Dunkelheit überrascht zu werden.
Nach Frühstück und Packen liefen wir also los, immer dem roten T hinterher. Es gibt hier keine Wege, die Landschaft ist so wild, dass man denken könnte, es wäre noch nie jemand Menschliches vor uns hier gewesen.

Nur die Markierungen auf Steinhaufen zeugten von Zivilisation und führten uns durch eine traumhafte Landschaft voller Seen und Wildbäche, Kliffs, Felsen, Geröllhaufen, Schneefelder und Moore. Ja, Schneefeld - unser Schicksal. Bei einem größeren, steileren, nasseren usw. beschlossen wir, die T- Markierung zu verlassen und uns unseren eigenen Weg zu dem großen See Sysenvatnet zu suchen.
Es war uns beiden ganz klar: durch dieses Tal, um den Berg herum, da muss er sein.



(Nachtrag: Was uns damals nicht klar war: der Midnutvatnet, in dessen Tal wir uns befanden, lag viel zu weit links um uns in die richtige Richtung zu führen.)

Unsere Schritte führten bergab, nur ein kleines Stück, aber sofort wurde die Vegetation üppiger: Blümchen, dicke Moosteppiche, manchmal Gras. Wir trafen einen fremdartigen Vogel in der Größe eines Rebhuhns, der seine Kükenkinder spazieren führte. Der "Weg" wurde jedoch auch zunehmend unbegehbarer, es wurde fast eine Klettertour daraus.

Immer wieder versuchten wir Schnee auszuweichen, der uns nicht sicher genug erschien, und kraxelten an steilen Felswänden herum. Dann trafen wir auf einen Bergbach, der ca. 30 Meter breit (oder breiter) reißend über unseren Weg strömte. Es war schon fast ein Fluß. Dahinter konnte man schon unseren See erkennen, dachten wir, also nichts wie rüber und etwas essen.

Obwohl es fast 5 Uhr war, hatten wir bis dahin unseren Hunger völlig vergessen.

Der Bach mündete in einen See, und war voll mit dicken Steinen.
Tim zog also seine Schuhe aus und lief munter los, durch das teilweise über kniehohe Wasser. Zögernd wollte ich hinterher, doch schon auf den ersten 2 glitschigen Steinen verlor ich das Gleichgewicht - der Rucksack war schuld. Ich konnte mich mit einer Hand gerade noch abstützen, beschloß aber schnell zum Ufer zurückzugehen. Nächster Versuch; als ich ½ Meter im Wasser bin, sehe ich wie Tim in der Mitte des Flusses hinfällt und nur mit Mühe wieder hochkommt. Nein, ich schaffe es nicht --aber ich muss rüber - also - schwimmen.
Leider passte der gelbe Sack (für solche Zwecke gedacht) nicht ganz über den Rucksack. Also ausziehen und erst mal alleine zu Tim rüber schwimmen, der inzwischen schon glücklich auf der anderen Seite stand.
Sch... war das Wasser kalt... Ich musste durch den See schwimmen, weil sonst die Strömung zu stark gewesen wäre, aber dieser Weg war deutlich weiter. Meine Glieder waren völlig taub und ich rang nach Atem, doch ich erreichte die andere Seite. Leider ohne Gepäck.
Also Tims Müllsack und den aufgeblasenen Wasserbeutel geschnappt und wieder zurück.
Inzwischen schon deutlich durchfroren wollte ich meinen Rucksack einpacken während mich ein Riesenschwarm Mücken umkreiste und völlig zerstach. Davon bemerkte ich allerdings nichts, mit meiner gefühllosen Haut.
Die gelben Säcke paßten nicht! Nun schon sehr verzweifelt nahm ich den Rucksack auf den Rücken und trat kriechend ein drittes Mal den Weg durch das Eiswasser an. In der Mitte versagten Muskeln und Geist völlig und ich blieb auf einem Stein sitzen.
Zum Glück kam Rettung in Form von Tim, der meinen Rucksack übers Wasser trug (fast wie Jesus) und ich konnte alleine rüber schwimmen.

Drüben lag ich erst mal stundenlang zitternd in Tims Schlafsack. Doch einen heissen Cappuccino und 125 Mückenstiche später konnten wir weiter. Wir erreichten nach einiger Zeit einen See und fanden sogar eine Hütte. Mit Betten und Essen und Kamin und Herd und Chemieklo und...
Wahnsinn! Leider mussten wir feststellen, dass wir den komplett falschen See in der komplett falschen Richtung gefunden hatten, aber das konnte uns auch nicht mehr schocken.

(Nachtrag: Später fanden wir auf der Karte unseren Standort, einen kleinen Schwarzen Punkt, die Finnsberg Hytten am gleichnamigen Finnsbergvatnet.)

Wir wollten nur noch essen, unsere zerschnittenen Füße pflegen und schlafen.
Klang der Tag jetzt negativ? War er aber nicht, die Landschaft ist viel zu überwältigend schön!!!

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