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Mittwoch, 28. Juni 2017


24.01.2006 - Ökologischer Waldumbau

Ökologischer Waldumbau ist nötig und möglich - Großforschungsprojekt "Zukunftsorientierte Waldwirtschaft" stellt Ergebnisse vor

Leipzig. Deutschlands Wälder müssen umgebaut werden, um in Zukunft bestehen zu können: Aus Monokulturen mit Nadelbäumen sollen Laub- und Mischwälder entstehen. Diese bieten die Chance, ökologische und ökonomische Ansprüche an den Wald gleichermaßen zu sichern. Inwieweit dies gelingt, schlägt sich auch in diesem Jahr wieder im Waldzustandsbericht nieder, der am 24. Januar veröffentlicht wird.
Konkret empfehlen Forstwissenschaftler den verstärkten Anbau der heimischen Rotbuche, die am ehesten den natürlichen Bedingungen hierzulande entspricht. Das ist ein Fazit aus dem Großforschungsprojekt
"Zukunftsorientierte Waldwirtschaft", an dem mehr als einhundert
Wissenschaftler von 1998 bis 2004 gearbeitet haben. Untersucht wurden fünf Modellregionen, darunter das nordostdeutsche Tiefland, das Erzgebirge oder der Schwarzwald.
Ziel der Forscher war es, zu prüfen: Wirkt sich ein Umbau des Waldes positiv auf Umwelt und Naturschutz aus und ist er trotzdem ökonomisch rentabel. Im Anschluss an das Großprojekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 22 Millionen Euro gefördert wurde, erarbeitete eine Projektgruppe unter Leitung des Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) das Buch "Ökologischer Waldumbau in Deutschland". Mit dieser Publikation liegt erstmals eine überregionale Auswertung der aktuellen Waldforschung in der Bundesrepublik vor.

Treuer Begleiter des Menschen in die Neuzeit
Der Deutsche Wald ist ein Mythos: Einst von den Römern als dunkler Ort und als unbezwingbare Barriere verteufelt, die die Eroberung Germaniens verhinderte. Später Heimatort für Sagen und Märchen der Gebrüder Grimm. Und bis in die jüngste Zeit als kranker Patient unter dem Stichwort "Waldsterben" in den Schlagzeilen. Dabei spiegelt der Wald stets den Umgang des Menschen mit seiner Umwelt wider. In grauer Vorzeit war das Gebiet des heutigen Deutschlands fast vollständig mit Wald bedeckt. Im frühen Mittelalter begannen Siedler, die ursprünglichen Buchenwälder zu roden und in Felder umzuwandeln. Holz als Brennstoff und Baumaterial machte technischen Forschritt überhaupt erst möglich. Ohne Holz hätte es beispielsweise keine Häuser, keinen Bergbau, keine Metallverarbeitung oder keine Schifffahrt gegeben. Heute ist ein Drittel der Fläche Deutschlands von Wald bedeckt. Auch wenn Häuser längst aus Beton und Schiffe aus Stahl
gebaut werden, die Bedeutung der Wälder nimmt wieder zu. Nicht nur als Klimafaktor im Kyoto-Protokoll sondern auch als Wärmespender. Mit den steigenden Erdöl- und Erdgaspreisen steigt auch die Nachfrage nach Holz als Brennstoff.

Von Forsten zu naturnahen Wäldern
Der Wald ist wichtig für den Menschen, aber er hat ein Problem: Seit rund 200 Jahren sind in Deutschland überwiegend Monokulturen von Kiefern oder Fichten angepflanzt worden. Anfangs geschah das, um abgeholzte Flächen überhaupt wieder aufzuforsten. Langfristig brachte das aber eine erhöhte Anfälligkeit der Forste gegenüber extremer Witterung und Schädlingen mit sich. "Ziel des Waldumbaues ist es nun, von den Monokulturen weg zu kommen und hin zu dem, was die Natur machen würde wenn man sie denn ließe", erklärt Daniela Weber vom UFZ, die die Ergebnisse von über einhundert Wissenschaftlern in Buchform zusammengefasst hat. "Stellen Sie sich vor, Sie haben in Ihrem Garten nur Petersilie angepflanzt und eine Schar Kaninchen fällt dort ein, dann ist klar, wie das ausgeht. Haben Sie in Ihrem Garten aber nicht nur Petersilie, sondern auch anderes Gemüse oder Obst, dann stehen die Chancen wesentlich besser, dass am Ende noch etwas
zum Ernten übrig bleibt. Und dasselbe passiert momentan, wenn sich
Borkenkäfer oder Buchdrucker über die Kiefernmonokulturen her machen."
Monokulturen von Fichte, vorwiegend im Mittelgebirgsraum zu finden, sind wiederum empfindlicher gegen Sturmschäden. Mischwälder dagegen sind generell anpassungsfähiger. Der Trend geht also zu einer standortgerechten Auswahl und damit meist zu Mischwäldern, in dem die ursprüngliche natürliche Baumart dominiert. Das ist in großen Teilen Deutschlands die Buche. Die Wissenschaftler rechnen auch damit, dass die einheimischen Buchen mit dem prognostizierten Klimawandel zu Recht kommen. Das Importieren von Buchenarten aus Südeuropa wäre daher der falsche Weg. "Wir müssen den Waldumbau als langfristigen Prozess begreifen und dort beginnen, wo die Notwendigkeit und die Chancen am Größten sind", sagt Dr. Martin Jenssen vom Waldkunde-Institut Eberswalde, der das Buchprojekt als wissenschaftlicher Berater unterstützt hat. Je nach Standort sind eben
differenzierte Empfehlungen nötig.

Ohne Wissensvermittlung kein Waldumbau
Vom Wald hat jeder eine Vorstellung, doch die wenigsten wissen wirklich, was im Wald passiert und welche Prozesse dort ablaufen. Deshalb hat das Internetprojekt www.zukunftswald.de das Wissen aus dem Großforschungsprojekt "Zukunftsorientierte Waldwirtschaft" für verschiedene Nutzer aufbereitet. Dort ist das aktuelle Wissen zum Waldumbau prägnant und informativ aufbereitet. Schüler können mit Horst Förster virtuell durch den Wald streifen und ausprobieren, was es heißt, nachhaltig zu wirtschaften, und wie der Wandel vom Nadel- zum Laubwald in der Praxis aussieht. Einmal selber Förster sein und am Bildschirm durchspielen, was in der Wirklichkeit über 100 Jahre dauern kann, bis aus kleinen Stecklingen ein ausgewachsener Wald geworden ist. Mit der Internetplattform wollen die Wissenschaftler Verständnis bei Ottonormalverbraucher für die Notwendigkeiten und Möglichkeiten des Waldumbaues schaffen.

Forstkultur oder Waldnatur?
Das "Produkt Holz" ist Teil der Ressource Wald. Lange hat die Forstwirtschaft den Wald vorwiegend unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet: Welche Baumarten wachsen am schnellsten und bringen den meisten Ertrag? Generationen haben vom Holz des Waldes gelebt. Auch heute noch ist die Forstwirtschaft ein Wirtschaftsfaktor, der Arbeitsplätze erhält.
Ökologie und Ökonomie schließen sich nicht aus. Das hat das BMBF-Projekt "Zukunftsorientierte Waldwirtschaft" bewiesen. Wichtig ist es, den Wert des Waldes nicht nur im Ertrag an Holz zu messen, sondern auch seine anderen Funktionen zu betrachten als Ort für Erholung, saubereres Wasser, Artenvielfalt oder Klimaschutz. "Mit dem Buch liegt erstmals eine überregionale deutschlandweite Auswertung vor. Bisher war Waldforschung oft nur auf einzelne Bundesländer und Regionen fokussiert", betont Dr. Martin Jenssen vom Waldkundeinstitut Eberswalde.

Wilde Urwälder wie einst in Germanien wird es auch in Zukunft nicht geben. Der Mensch braucht den Wald und gestaltet ihn deshalb. Aber die Forschung hat gezeigt: Die natürlichen Potentiale können besser genutzt werden - zum Wohle von Mensch und Natur.

Fritz, Peter (Hrsg.):
Ökologischer Waldumbau in Deutschland
Oekom verlag, München 2006
352 Seiten, 29,80 EUR
ISBN 3-86581-001-2



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Diese Nachricht des Info-Service wurde uebermittelt von Pressestelle, Bundesverband

Erstellt: 22.02.2006 - 15:24

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