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Dienstag, 24. Oktober 2017


Tim: Samstag - 21. Juli - 7:07 Uhr

...und ich hab' verpennt! Das war aber auch ein Tag in Bergen!

Viel zu früh waren wir in der zweitgrößten Stadt Norwegens. Groß ist sie deswegen noch lange nicht, aber süß. Unsere Hauptbeschäftigung war warten...warten...warten...warten...warten...warten... und noch eine ganze Weile warten.
Es gibt hier soo viele Möglichkeiten das zu tun: Spazierengehen am Hafen, am Hafen entlang schlendern, vom Hafen in die Fußgängerzone laufen, von der Fußgängerzone zum Bahnhof, im Bahnhof sitzen.
Da war es dann, ganz anders als in der Stadt, warm, was uns zum längeren Aufenthalt ermunterte. Bis man uns, eine knappe Stunde später, vor die Tür setzte. Es war wieder kalt, und uns blieb nicht viel übrig, als- genau, die Fußgängerzone.
Dort tummelten sich viele junge und etliche besoffene Leute. Müde machten wir uns also auf einen Schlafplatz zu suchen, an dem wir mal einige Stunden wirklich durchschlafen konnten.

(Nachtrag: Dies alles ereignete sich noch Donnerstag abend)

Zwei Blocks hinter dem Bahnhof, oberhalb eines Friedhofes, fand sich dann der geeignete Platz zwischen Büschen und Bäumen, und es war uns möglich bis 4:00 Uhr zu schlafen, ohne auch nur einmal wach zu werden.
Um 4:00 Uhr wurde es allerdings so hell, dass ich die dicken Regenwolken erkennen konnte, die für Bergen wohl so typisch sind. Es gelang mir Marie zu wecken und völlig übermüdet dauerte es wohl eine Ewigkeit, bis Therm-A-Rest und Schlafsack wieder verstaut waren.
Hunger! Er war wieder da, und so machten wir uns auf in die durchaus bereits bekannte Fußgängerzone!
Auf dem Weg zu selbiger mussten wir wieder mal durch den Park mit Fontaine und beschlossen es sollte Cappuccino geben. Bei dieser Gelegenheit möchte ich einmal das absolute "overused word" der Fahrt anbringen, es lautet: ERGIEBIG.
Und zwar genau deshalb, weil wir 2 Wochen lang, bis auf 3 mal in Hütten, mit einer Flasche Benzin gekocht haben. Die einzige Tankstelle in Herand war schon geschlossen, und so kochten wir die ganze Fahrt über ohne auch nur einmal nachzutanken.
Ein Lob also an die Erfinder, die uns das viele leckere, warme und auch schnelle Essen ermöglichten.
Es gab also für Marie einen Cappu, nach dem ihr etwas wärmer war, und meine Hände etwas verrußter. Weiter ging es in die Fußgängerzone, in der ich mir im einzigen geöffneten Laden eine Wienerpølse gönnte.
Unser einziges motivierendes Highlight war jetzt der Fischmarkt, der allerdings noch für lange Zeit nicht geöffnet sein würde. Was blieb uns anderes übrig, als schauen, ob der warme Bahnhof schon wieder seine Türen geöffnet hatte. Er hatte. Und so legten wir uns abwechselnd zum Schlafen auf des anderen Schoß, bis es Zeit wurde sich den berühmten "Bergener Fisketorget" anzuschauen, von dem uns Marc O'Polo bereits so viel berichtet hatte.
Zurück durch den Park und die heißgeliebte Fußgängerzone zum Hafen.
Der Markt war nicht groß, aber belebt, bunt und recht schnuckelig. Es gab viele Souvenirstände mit Plastiktrollen und allen erdenklichen Artikeln auf denen sich in den sinnlosesten Zusammenhängen das Wort Norge, Norske u.ä. wiederfanden. Schrott also!
Aber der Fisch! Alle Sorten, alle Größen, frisch oder abgepackt. So frisch, dass man sich in einem riesigen Tank selbst die noch lebenden Langusten aussuchen konnte. Und Kaviar, alle Farben, alle Größen, und vor allem- alle Preislagen. Für Touristen den extrateuren "Billigkaviar", für Kenner kleine Döschen zu horrenden Preisen. Aber bitte- wer's mag!
Da Marie ja keinen Fisch ißt, und wir ohnehin nicht mehr allzuviel Geld hatten blieb es für uns beim Schauen. Wir zogen weiter zur Busstation, in deren riesiger Mall wir uns für die Fahrt mit Lebensmitteln eindecken wollten.
Zwischen Fußgängerzone und Park beschlossen wir dann aber erst mal zu essen. So kochten wir uns die letzten Nudeln in Bergen im Stadtpark, nicht ohne befremdete oder belustigte Blicke der Passanten zu ernten.
Die Käsesauce war vorzüglich. Im Einkaufszentrum gab es dann Kekse- mit Namen Marie- Puddingschnecken, Joghurt usw.
Maries Fertigkeiten im Überschlagen ist es zu verdanken, dass unsere 50 Rest- NOK genau reichten. Nach weiteren 4 Stunden Abhängen im Bahnhof konnten wir in die Bergenbahn einsteigen, vorher jedoch zerfledderten wir eine gefundene Bildzeitung, die uns auf den neuesten Stand- Donnerstag- brachte.
Die Fahrt mit der Bahn war dann aber noch einmal wunderbar. Norwegen zeigte sich uns zum letzten Mal in seiner ganzen Vielfalt. Wir fuhren noch mal durch Finse, unseren Startbahnhof, und sahen die Felsen, Seen und kleinen Häuschen im Abendlicht stehen.
Die ganze Fahrt bis Oslo freuten wir uns auf den Liegewagen. Ein weiches Bett, nach der harten Nacht in Bergen. Pustekuchen.
Es gab wieder nur einen Nachtbus, der wieder saumäßig unbequem und diesmal auch noch proppenvoll war. Wir ärgerten uns eine Weile, versuchten dann aber einfach nur zu schlafen, was eher schlecht als recht möglich war.
Jetzt sitzen wir im Zug nach Hamburg, sind schon in Dänemark und haben auch die Hoffnung auf eine Pizza in Hamburg verloren. wir haben nur 8 Minuten zum Umsteigen, zu wenig um noch zu Pizza Hut zu rennen.

(Nachtrag: Tatsächlich blieben uns genau 45 Sekunden, um von Gleis 7 auf 14 zu kommen, weil unser Zug kurz nach Puttgarden bereits ¼ Stunde zu spät war.)

Wir werden also auf der Fähre für viel Geld etwas Warmes kaufen müssen.
Nach den letzten beiden Wochen freue ich mich auf eine Dusche und saubere Klamotten, was "Richtiges" zu Essen und ein weiches Bett.

Es war traumhaft, völlig der Wildnis- die auch noch wirklich Wildnis ist- ausgesetzt, nur Marie, Natur und ich. Es war spitze, und Nordwärts- Nordwärts wolln wir beide wieder.


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